So vermeidet man das mühsame Wässern

Unser Autor liebt seine Pflanzen. Giessen hingegen nicht. Deshalb singt er ein Loblied auf jene Blumen, die fast ohne Wasser auskommen.

Einfach dazustehen und den Wasserstrahl geduldig ins Blaue plätschern zu lassen, ist nicht sonderlich effizient: Ein Mann giesst seine Pflanzen. Foto: Getty Images

Einfach dazustehen und den Wasserstrahl geduldig ins Blaue plätschern zu lassen, ist nicht sonderlich effizient: Ein Mann giesst seine Pflanzen. Foto: Getty Images

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Die Saat ist ausgebracht, im Juni können ihr Hobbygärtnerinnen und -gärtner in Ruhe beim Wachsen zusehen. Denn in diesem Monat gibt es wenig zu tun. Lilien, Rosen und andere Sommerboten blühen auch ohne menschliche Obhut. Nach den ersten Gewittern gilt es einzig, da und dort die Erde zu lockern, um die Wurzeln der Pflanzen zu belüften und den Schnecken die Möglichkeit zu verwehren, sich in Erdlöchern gemütlich einzurichten und zu verstecken. Die Glockenblumen, Rittersporn, Skabiosen, Reseden und Kartäusernelken sind zurückgeschnitten, damit sie neuerlich Blüten treiben.

Die ersten Blattläuse sind im Sprühnebel der Seifenlauge untergegangen. Selbst die Pendelhacke hängt wieder im Gartenhaus an ihrem Haken. Sie hat das keimende Unkraut in den Kieswegen ohne jeglichen Kraftaufwand weggeschnitten – und gehört entsprechend zu meinen liebsten Gerätschaften. Was also tun im grünen Paradies? Die Antwort darauf ist schrecklich: wässern.

Einmal pro Woche kräftig giessen, verteilt über mehrere Stunden. Mehr gibts nicht.

Jeder Hobbygärtner, jede Hobbygärtnerin kennt Arbeiten, die er oder sie nur mit Widerwillen verrichtet. Meine schlimmste Plage-Plackerei ist das Giessen: dazustehen wie das Manneken Pis in Brüssel, das Wahrzeichen der belgischen Metropole, und den Wasserstrahl geduldig ins Blaue plätschern zu lassen. Kaum nehme ich den Schlauch in die Hände, scheint die Zeit stillzustehen. Minuten werden zu Stunden. Am liebsten würde ich die Pflanzen sich und der Juni-Hitze überlassen. Sollen sie doch in der Mittagssonne schlappen. Mir doch egal. Dann meldet sich das schlechte Gewissen doch, also rolle ich den Gartenschlauch von der Trommel und mache, was Toni Braxton einst in einem ihrer Songs besang: «Let it flow». Ich lasse es fliessen, das Wasser.

Selber schuld. Denn wie Gartenprofis wissen, sind Stauden, die am richtigen Ort stehen, kaum auf den Kick aus dem Wasserhahn angewiesen. Selbst im Gemüsegarten plädieren Hardliner für den Trockengang: Einmal pro Woche kräftig giessen, verteilt über mehrere Stunden, damit das Wasser besser in die Erde sickern kann. Mehr gibts nicht. Schliesslich sollen das Gemüse und die Salate durch den künstlichen Regen nicht unnötig verweichlicht werden – und sich stattdessen selber auf die Suche nach Wasser machen, also ihre Wurzeln tief ins Erdreich treiben. Dahin, wo es selbst an heissen Tagen feucht bleibt. Diese Regel gilt auch für Stauden.

Das macht sie weniger anfällig für Pilzbefall: Pflanzen sollten morgens gegossen werden. Foto: Getty Images

Richtig giessen ist nicht nur mühsam, es ist eine Wissenschaft. Zum Thema finden sich unendlich viele Ratschläge. Einer der wichtigsten: Wir sollten wann immer möglich Regenwasser sammeln und einsetzen, dieses ist kalkarm und für Pflanzen besser verträglich. Dann: Möglichst auf Sprinkler oder Brausen verzichten, den Pflanzen also das Wasser gezielt nahe den Wurzeln zuführen, damit der Verschleiss der Ressource möglichst klein bleibt. Selbst für jene, die ihren Rasen britisch halten wollen, haben Experten einen Tipp parat: Ein Konfi-Glas auf den Rasen stellen, Sprinkler anstellen und warten, bis das Glas bis rund 1,5 Zentimeter gefüllt ist. Ist es so weit, haben die Halme garantiert ausreichend Flüssigkeit abbekommen.

Kluge Köpfe wässern am frühen Morgen. So können die Pflanzen über den Tag trocknen und sind dadurch weniger anfällig für Pilzkrankheiten und Schneckenfrass, denn die Tiere machen sich an heissen Tagen erst abends auf die Suche nach knackigem Grün, vorzugsweise auf feuchten Böden. Ausserdem riskiert man so nicht, dass die Tropfen auf den Blättern in der Sommersonne zu Brenngläsern werden. Topfpflanzen sind gemäss den Profis besonders auf «eine professionelle Wasserzufuhr» angewiesen. Es wird empfohlen, regelmässig, aber mit Mass zu giessen und danach die Untersetzer auszuleeren, damit keine Staunässe entsteht. Alles recht komplex, alles recht kompliziert.

Lange galten sie als antiquiert, nun kommen sie wieder in Mode: Hortensien. Foto: Getty Images

Da lobe ich mir meine Hortensien. Sie wachsen im Halbschatten und kommen in der Regel ohne flüssigen Kick aus – einzig die drei Bauernhortensien, die einst von einer Felsenbirne gut geschützt waren und nun nach deren Ende in der Sonne stehen, sind in langen Trockenperioden auf meine Hilfe angewiesen.

Überdies goutiert die Gattung Hydrangea, so der lateinische Name der Hortensie, Regenwasser weit mehr als das kalkhaltige aus dem Hahn. Auch dafür schätze ich sie. Lange galten die Pflanzen als antiquiert, nun kommen sie wieder in Mode. Ich kanns verstehen. Denn kein anderes blühendes Gehölz bereitet einem mehr Freude. Ab Juni ziehen sie die Blicke auf sich, ohne dabei aber von ihren Nachbarn abzulenken. Sie zeigen, was wahre Schönheit adelt: Understatement. Samthortensien, Bauern-, Eichblatt- oder Rispenhortensien – in meinem Garten sind verschiedenste Spielarten vertreten. Der niederländische Pflanzengelehrte Jan Frederik Gronovius hat sie Anfang des 18. Jahrhunderts nach Europa gebracht. Dafür bin ich ihm dankbar. Besonders, wenn ich einen Gartenschlauch in der Hand halte.

Roland Grüter, 58, lebt in Zumikon in der Nähe von Zürich. Er ist leidenschaftlicher Gärtner und arbeitet als freischaffender Journalist mit den Schwerpunkten Lifestyle und Gesellschaft.

Erstellt: 07.06.2019, 13:47 Uhr

Wieder en vogue: Hortensien

Wer meint, der blühende Strauch sei einzig im (Halb-)Schatten zu halten, täuscht sich gewaltig. Eichenblättrige Hortensien (Hydrangea quercifolia) und Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) vertragen erstaunlich viel Sonne. Dazu zählen etwa die Sorten «Little Lime» und «Pinky Winky».

Neuere Züchtungen blühen mehrmals pro Jahr. Sie bilden bis in den späten Herbst hinein immer neue Blütentriebe. «Endless Summer» war eine der ersten Sorten mit dieser Eigenheit.

Manche Hortensien wechseln übers Gartenjahr mehrfach die Farbe. Dazu zählen etwa die Bauernhortensie «Magical Four Seasons» und die neue Sorte «Magical Amethyst Red». Die Blüten der Letzteren schimmern erst hellrot, wechseln dann in ein leuchtendes Grün und sind schliesslich tiefrot. «Magical Colours Your Home» holt dieses Wunder sogar in die Stube. Die Züchter versprechen uns mindestens 150 Tage Blütenpracht.

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