Coronavirus aus China gelangt in die USA

Bereits sechs Personen sind durch den Sars-ähnlichen Erreger gestorben. Inzwischen ist bestätigt, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist.

Der Ort, an dem das Virus auftauchte: Geschlossener Markt für Meeresfrüchte in Wuhan. Bild: Reuters

Der Ort, an dem das Virus auftauchte: Geschlossener Markt für Meeresfrüchte in Wuhan. Bild: Reuters

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Nach dem Anstieg der Patientenzahl in China ist auch in den USA ein erster Fall der neuen Lungenkrankheit nachgewiesen worden. Es handelt sich um einen Mann, der nach einer Reise in die chinesische Provinz Wuhan am 15. Januar nach Seattle zurückkehrte.

Das teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Dienstag mit. Der Mann habe bei der Rückreise noch keinerlei Symptome bemerkt, sich dann aber zur Untersuchung in ein Krankenhaus begeben, hiess es. Er sei in gutem Zustand. Es bestehe nur ein sehr geringes Risiko, dass er weitere Menschen anstecken könne.

Experten hatten zuvor erklärt, dass vereinzelte Einschleppungen der neuen Lungenkrankheit auch nach Europa immer wahrscheinlicher seien. «Wir müssen in den kommenden Tagen mit mehr Fällen in anderen Teilen Chinas und möglicherweise auch in anderen Ländern rechnen», erklärte der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tarik Jasarevic, am Dienstag in Genf. Ungewöhnlich sei das nicht: «Wenn man die Überwachung ausweitet, ist es auch wahrscheinlich, dass man mehr Fälle entdeckt.»

6 Tote und über 300 Fälle in China

Die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan meldete weitere Tote durch das neuartige Coronavirus. Insgesamt sind nun sechs Todesfälle bestätigt, zumeist betrafen sie ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen.

Laut den Behörden wurde eine 55-jährige Taiwanerin infiziert, die in Wuhan in China arbeitet. Am 20. Januar kehrte sie zurück nach Taiwan, nachdem sie neun Tage lang Fieber hatte. Nun tragen Menschen an U-Bahnstationen in Taipeh Gesichtsmasken. (21. Januar 2020) Bild: David Chang/EPA

Zudem wurden am Dienstag Dutzende weitere Infektionen gemeldet. Damit gibt es nun in China mehr als 300 bestätigte Fälle seit Beginn des Ausbruchs im Dezember.

Nachweise gibt es zudem in Taiwan, Thailand, Japan und Südkorea – in allen Fällen erkrankten Menschen, die zuvor in Wuhan waren.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung des Virus. In der zweiwöchigen Ferienzeit rund um das Fest sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs, viele Familien unternehmen zudem gemeinsame Reisen ins Ausland. Beliebt sind dabei neben Zielen in Südostasien auch Reisen nach Europa oder in die USA.

Asiatische Nachbarstaaten und Flughäfen in anderen Ländern wie den USA und Australien haben inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Ein Servicemitarbeiter scannt Reisende aus China am Flughafen Almaty in Kasachstan, um zu erkennen, ob diese eine erhöhte Temperatur aufweisen, was auf eine Infektion mit dem Coronavirus deuten könnte. (21. Januar 2020) Bild: Pavel Mikheyev/Reuters

Das italienische Gesundheitsministerium kündigte an, Verdachtsfälle an Bord in Rom landender Flugzeuge aus Wuhan künftig zu überprüfen. Piloten sollen demnach Passagiere mit entsprechenden Symptomen melden. Diese würden dann sofort in das nationale Institut für Infektionskrankheiten in Rom gebracht, hiess es.

WHO-Treffen am Mittwoch in Genf

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Lungenkrankheit ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten sollen am Mittwoch beraten. Sollte die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen, empfiehlt sie damit schärfere Massnahmen zur Bekämpfung der Seuche. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen und das Einrichten spezialisierter Behandlungszentren gehören.

Derzeit empfiehlt die WHO keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen. «Auf Grundlage der vorhandenen Informationen gibt es keine Rechtfertigung für Beschränkungen von Reisen oder Handel», sagte ein Sprecher. «Sollte die Situation eskalieren, könnte die WHO sich zu den Risiken von Reisen in betroffene Gegenden äussern.»

Auch die EU-Kommission plant zur Bewertung der Risiken durch die neue Lungenkrankheit ein Treffen. Nach Angaben eines Sprechers soll der Ausschuss für Gesundheitssicherheit am Donnerstag zusammenkommen. Bereits vergangenen Freitag habe es einen Austausch der EU-Staaten gegeben, bei dem über mögliche Reaktionen auf das Coronavirus beraten worden sei.

(red/sda)

Erstellt: 21.01.2020, 05:32 Uhr

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