Das US-Militär verschmutzt die Umwelt stärker als 140 Länder

Amerikanische Kampfjets, Transporter und Kriegsschiffe brauchen Unmengen Treibstoff – und verursachen damit gleich viel CO2 wie die ganze Schweiz.

Verursacht viel Umweltverschmutzung: Militärs beobachten auf dem Flugzeugträger USS Harry S. Truman den Start eines Kampfjets.

Verursacht viel Umweltverschmutzung: Militärs beobachten auf dem Flugzeugträger USS Harry S. Truman den Start eines Kampfjets. Bild: Keystone

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Fast 800 Stützpunkte in 70 Ländern, zahlreiche offizielle Einsätze und verdeckte Operationen, Flottenverbände im Mittelmeer, Atlantik, Pazifik, dem Persischen Golf, dem Roten Meer und dem Indischen Ozean: Das US-Militär ist global präsent. Es gibt kaum einen wichtigen Konflikt, an dem es nicht in irgendeiner Weise beteiligt ist.

Das kostet viel Geld und ist mit einem gewaltigen logistischen Aufwand verbunden. Die USA haben mit 700 Milliarden Dollar das mit Abstand grösste Militärbudget der Welt. Fast die Hälfte der Ausgaben verschlingt der Unterhalt der Infrastruktur. Um die Operationen rund um den Globus zu versorgen, sind Containerschiffe, Frachtflugzeuge und Lastwagen permanent im Einsatz – und verbrauchen Unmengen an Treibstoff.

«Das US-Militär ist einer der grössten Umweltsünder der Geschichte.»Autoren der Studie

Der CO2-Ausstoss des US-Militärs ist deshalb enorm. 2017 kaufte es täglich rund 269'000 Barrel Öl und stiess durch die Verbrennung dieser Brennstoffe mehr als 25'000 Kilotonnen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre. Das zeigt eine neue Untersuchung von Forschern der Universitäten Durham und Lancaster, die in der Fachzeitschrift «Transactions of the Institute of British Geographers» veröffentlicht wurde.

Die US-Armee ist demnach «einer der grössten Umweltsünder der Geschichte». Sie verbraucht pro Jahr mehr Brennstoffe und verursacht mehr Treibhausgase als die meisten mittelgrossen Länder. Wäre das US-Militär selbst ein Land, würde es auf Platz 52 der grössten Verschmutzer durch flüssigen Treibstoffverbrauch liegen – direkt hinter der Schweiz und vor mehr als 140 anderen Staaten.

Als Vergleich nutzten die Forscher die aktuellsten Zahlen der Weltbank für alle Länder. Diesen zufolge verursachte die Schweiz im Jahr 2014 durch die Verbrennung von flüssigem Treibstoff wie Benzin und Kerosin gut 26'500 Kilotonnen CO2.

Zur Einordnung: Damit nur 1 Kilotonne CO2 entsteht, müssen 750 Neuwagen in der Schweiz jeweils 10'000 Kilometer weit fahren (was in etwa einer durchschnittlichen Jahresdistanz entspricht).

Der Ausstoss des amerikanischen Militärs ist übrigens nicht in den gut 2 Millionen Kilotonnen enthalten, welche die Weltbank für die USA ausweist. Denn die USA bestanden 1997 bei Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls auf eine Ausnahmeregelung für militärische Emissionen. 2015 wurde die Regelung eigentlich durch das Pariser Klimaabkommen aufgehoben. Doch der aktuelle US-Präsident Donald Trump kündigte dieses bekanntlich auf.

Die US-Armee verbraucht täglich Unmengen an Treibstoff: Zwei Soldaten tanken im Irak einen Militärlastwagen auf. (Bild: Reuters)

Die Zahlen zum Militär erhielten die Forscher erst durch offizielle Anfragen bei der US Defense Logistics Agency (DLA), einer bisher wenig untersuchten Behörde innerhalb des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Die DLA ist verantwortlich für die Versorgungsketten des US-Militärs und gemäss der Studie ein mächtiger Akteur im globalen Ölmarkt.

Die ausgewerteten Daten zeigen, dass die Air Force, also die Luftwaffe des US-Militärs, für mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Ein weiteres Drittel geht auf die Kappe der Navy mit ihren Flugzeugträgern und Kriegsschiffen. Der Rest wird von der Army und den Marines verursacht.

Der Studie zufolge hat die US-Armee schon versucht, den Anteil erneuerbarer Energien auf ihren Stützpunkten zu erhöhen. Zudem hat sie schon in die Entwicklung von alternativen Energiequellen wie Biosprit investiert, um ihre Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Allerdings machen diese bisher nur einen sehr kleinen Teil aller Ausgaben für Treibstoffe aus.

Vorerst bleibt das US-Militär der grösste institutionelle Umweltsünder der Welt und trägt mit seiner Maschinerie entscheidend zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Laut den Forschern gibt es nicht viele Aktivitäten, die für die Umwelt so katastrophal sind wie das Führen von Krieg.

Erstellt: 26.06.2019, 20:32 Uhr

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