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Tiangong 1 grösstenteils in der Atmosphäre verglüht

Das chinesische Raumlabor ist gegen 2.15 Uhr Schweizer Zeit über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre eingetreten und ins Meer gestürzt.

Das chinesische Raumlabor ist gegen 2.15 Uhr Schweizer Zeit über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre eingetreten. (Video: Tamedia/AFP/AP)

Chinas ausser Kontrolle geratene Raumstation «Tiangong-1» ist über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre eingetreten. Das acht Tonnen schwere Weltraumlabor sei dabei «grösstenteils» verglüht, teilte die chinesische Raumfahrtbehörde CMSEO am Montag in Peking mit.

Die übrigen Teile sollen demnach ins Meer gestürzt sein. Das Raumlabor trat gegen 02.15 Uhr Schweizer Zeit über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre ein. Das US-Militär bestätigte, dass die chinesische Raumstation über dem Pazifik in die Erdatmosphäre eingetreten sei.

Verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre grösstenteils: Die Raumstation Tiangong 1 auf einem Radarbild.
Verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre grösstenteils: Die Raumstation Tiangong 1 auf einem Radarbild.
Fraunhofer Institute, Keystone
Drei Taikonauten hatten die Raumstation besucht, es war das erste manuelle Andockmanöver der chinesischen Raumfahrtgeschichte: Die Raumfähre Shenzhou-9 (Mitte) verlässt  am 24. Juni 2012 Tiangong 1 (ein Teil davon ist am linken oberen Bildrand zu sehen).
Drei Taikonauten hatten die Raumstation besucht, es war das erste manuelle Andockmanöver der chinesischen Raumfahrtgeschichte: Die Raumfähre Shenzhou-9 (Mitte) verlässt am 24. Juni 2012 Tiangong 1 (ein Teil davon ist am linken oberen Bildrand zu sehen).
Beijing Aerospace Control Center via Xinhua, Keystone
Trug das Prestigeobjekt ins All: March II-F-Trägerrakete in Jiuquan.
Trug das Prestigeobjekt ins All: March II-F-Trägerrakete in Jiuquan.
Keystone
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«Es ist sehr unwahrscheinlich, dass etwas auf Land gefallen ist», sagte Holger Krag von der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa). Der Absturz sei mitten über dem Südpazifik nahe den Inseln von Amerikanisch-Samoa erfolgt. «Das ist so ziemlich das beste Gebiet, das man sich aussuchen kann von den Sicherheitsaspekten her.»

Die Überreste des Raumlabors fielen damit zufällig in der Region ins Meer, in der auch bei kontrollierten Abstürzen Weltraummüll entsorgt wird. «Es hätte gar nicht besser laufen können.»

2011 im Weltall ausgesetzt

China, das ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm unterhält, hatte «Tiangong-1» (zu deutsch: «Himmelspalast») im September 2011 im Weltall ausgesetzt. Auf dem Aussenposten im All koppelten mehrere bemannte und unbemannte Raumschiffe an, doch seit 2013 hat kein Taikonaut mehr die Raumstation betreten.

Danach geriet die Station im All ausser Kontrolle. Im März 2016 brach der Funkkontakt ab - das Raumlabor liess sich nicht mehr steuern und auch nicht mehr kontrolliert in die Erdatmosphäre manövrieren. Im September 2016 schickte China den Nachfolger «Tiangong-2» ins All. Bis 2022 soll daraus eine grosse, ständig bemannte Raumstation entstehen.

Sinkflug genau verfolgt

Die Raumfahrtbehörden weltweit hatten den Sinkflug genau verfolgt. Die Experten versicherten aber, dass für Menschen keine Gefahr bestehe.

Bereits vor einigen Tagen hatte die chinesische Raumfahrtbehörde beteuert, niemand müsse befürchten, dass die Station «wie in einem Science-Fiction-Film wild auf die Erde stürzen wird». Vielmehr werde sie sich in einen «prächtigen Sternschnuppenregen verwandeln, der durch den sternenklaren Himmel zur Erde braust».

Spektakel blieb aus

Die Hoffnungen von Sternguckern und Astronomen auf ein spektakuläres Himmelsspektakel erfüllten sich jedoch nicht. Die Raumstation sei vor dem Sturz in den weitgehend menschenleeren Pazifik bei Tageslicht über Pöngjang und die japanische Stadt Kyoto hinweggerast, sagte der US-Experte Jonathan McDowell.

«Es wäre für die Leute toll gewesen, den Absturz beobachten zu können, aber es wird noch weitere Wiedereintritte geben», fügte der Astronom vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik hinzu. Gut sei letztlich, dass bei dem Absturz niemand zu Schaden gekommen sei.

SDA/chk

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