An'Nur

Auch Präsident unter den Verhafteten

Unter den Festgenommenen vom Dienstagmorgen, die zwei Moschee-Besucher, des Verrats bezichtigt, verprügelt und eingesperrt haben sollen, befindet sich auch der Präsident der umstrittenen Moschee.

Schon wieder sorgt die umstrittene An'Nur Moschee für Schlagzeilen. Mitglieder haben offenbar Selbstjustiz an «Verrätern» aus den eigenen Reihen geübt.

Schon wieder sorgt die umstrittene An'Nur Moschee für Schlagzeilen. Mitglieder haben offenbar Selbstjustiz an «Verrätern» aus den eigenen Reihen geübt. Bild: Heinz Diener

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Am Dienstagmorgen wurde bekannt, dass eine zehnköpfige Gruppe von Muslimen im Verdacht steht, in der umstrittenen An’Nur-Moschee in Winterthur-Hegi zwei Glaubensbrüder massiv geschlagen, misshandelt und eingeschlossen haben. Zudem wurden die beiden Opfer und ihre Familien mit dem Tod bedroht. Die Verdächtigen wurden in einer grossangelegten Polizeiaktion festgenommen.

Unter ihnen ist auch der amtierende Präsident des Moscheevereins An’Nur. Dies bestätigt die Staatsanwaltschaft gegenüber dem «Landboten». Er ist erst seit kurzem verantwortlich für die Geschehnisse in der Moschee. Sein Vorgänger sowie drei weitere hochrangige Mitglieder wurden bereits am 2. November im Zuge einer Grossrazzia festgenommen, mittlerweile allerdings wieder freigelassen.

Wie die Kantonspolizei mitteilt, fanden die Verhaftungen in der Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei Winterthur statt. Es wurden zudem rund ein Dutzend Hausdurchsuchungen an verschiedenen Örtlichkeiten durchgeführt.

Ein Racheakt

Hintergrund des Angriffs war anscheinend die mediale Berichterstattung über eine gewaltverherrlichende Predigt in der An’Nur Moschee. Der Kriegsreporter Kurt Pelda hatte in der «Weltwoche» aufgedeckt, dass der äthiopischer Imam Scheich Abdurrahman in der An'Nur-Moschee während einer Predigt im Oktober zum Mord gegenüber jenen Muslimen, die sich nicht an die Gebetszeiten hielten, aufgerufen haben soll.

In der Folge führte die Polizei am 2. November eine Razzia in der Moschee durch und verhafteten insgesamt vier Personen. Darunter befand sich auch der äthiopische Imam, der noch immer in Untersuchungshaft sitzt. Die übrigen, unter ihnen auch der ehemalige Präsident, befinden sich seit längerem wieder auf freiem Fuss.

Im vergangenen November kam es bei der An'Nur Moschee zu einem Grosseinsatz der Polizei, bei dem vier Personen verhaftet wurden. Video: Keystone

Familien mit Tod bedroht

Die Vorwürfe an die nun Verhafteten wiegen schwer: Die zwei Angegriffenen Informanten wurden offenbar massiv geschlagen, misshandelt und eingeschlossen, mutmasslich weil sie den Medien Informationen über die besagte Predigt weitergegeben haben. Zudem sollen sie und ihre Familien auch mit dem Tod bedroht worden sein.

Die zehn Festgenommenen sind im Alter zwischen 17 und 53 Jahren. Gegen sie wurde ein Verfahren wegen Angriffs, Freiheitsberaubung, Drohung, Nötigung sowie Körperverletzung eröffnet.

An'Nur fühlt sich ungerecht behandelt

Der Vorgänger des jetzt verhafteten Präsidenten - jetzt nur noch ein einfaches Vereinsmitglied - nimmt derweil gegenüber «20 minuten» Stellung zu den Vorwürfen und bestreitet die Schwere des Vorfalls. Die beiden angeblichen Opfer seien in der Moschee lediglich zur Rede gestellt worden: «Sie wurden ins Büro gebeten und dabei ‹gepäckelt›.»

Von einem regelrechten Angriff könne nicht die Rede sein, Verletzungen hätten sie nicht erlitten. Bei den beiden Opfern handelt es sich laut dem Ex-Präsidenten um einen libyschen Studenten und einen Tunesier. Sie hätten sich im Auftrag von Journalist Kurt Pelda als Spione in der Moschee eingeschlichen, heimlich gefilmt und dafür Geld von ihm erhalten. Dies habe man der Polizei auch gemeldet. Dass diese nichts gegen das illegale Filmen unternahm, nun aber so gegen die Moschee vorgehe, empfindet der Ex-Präsident als ungerecht.

(huy)

Erstellt: 21.02.2017, 09:34 Uhr

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