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Hundegesetz – seit 15 Jahren ein PolitikumZürcher Kantonsrat schickt alle «Hündeler» in den Kurs

Künftig müssen alle Hundehalterinnen und Hundehalter einen Kurs besuchen – nicht mehr nur die Besitzer von «grossen und massigen» Vierbeinern.

Sitz, Platz, Fuss: Künftig müssen im Kanton Zürich alle Hundehalter mit ihren Lieblingen in einen Kurs. Bis anhin waren es nur die Halter von «grossen und massigen» Exemplaren.
Sitz, Platz, Fuss: Künftig müssen im Kanton Zürich alle Hundehalter mit ihren Lieblingen in einen Kurs. Bis anhin waren es nur die Halter von «grossen und massigen» Exemplaren.
Archivfoto: Gaetan Bally / Keystone

Neu müssen auch der Chihuahua und seine Halterin in den Kurs, denn auch kleine Vierbeiner können schlechte Manieren haben. Bisher waren nur Halter von «grossen und massigen» Hunden zu Kursen verpflichtet. Als «gross und massig» galten Hunde, die eine Schulterhöhe von mehr als 45 Zentimetern und ein Gewicht über 15 Kilogramm hatten.

Umstritten war im Kantonsrat jedoch, wie viele Lektionen die «Hündeler» und «Hündelerinnen» absolvieren müssen. Während die Regierung zwei Lektionen Theorie und sechs Lektionen Praxis als ausreichend erachtete, wollte die linke Ratsseite Hund und Halter lieber 14 Lektionen lang in die Schule schicken.

Sie konnte sich mit dieser Verlängerung aber nicht durchsetzen. Es werden also acht Lektionen. Die zweite Lesung des Hundegesetzes inklusive Schlussabstimmung findet in etwa vier Wochen statt.

70 Prozent stimmten für die Kurse

Diese Änderung des Hundegesetzes geht auf eine Volksabstimmung im Februar 2019 zurück. Damals hatten die Stimmberechtigten mit 70 Prozent der Stimmen entschieden, die Hundekurse beizubehalten und nicht abzuschaffen, wie es der Kantonsrat damals beschlossen hatte.

Die damals bürgerliche Kantonsratsmehrheit war der Meinung, dass die Kurse trotz grossem Aufwand wenig brächten. Die Zahl der Bissvorfälle sei nicht wie erhofft zurückgegangen. Das Volk war aber anderer Meinung und wollte die Halter nicht von der Leine lassen.

Der Regierungsrat kündigte damals an, die Kurse zu überarbeiten, zu straffen und für alle Halter obligatorisch zu machen, was nun hiermit umgesetzt wird.

Auslöser war ein Pitbull-Angriff

Das Zürcher Hundegesetz ist seit 15 Jahren ein Politikum. Der Kanton hat eines der schärfsten Hundegesetze der Schweiz. Seit 2010 dürfen deshalb auch Rassen mit erhöhtem Gefährdungspotential nicht mehr gehalten oder gezüchtet werden. Auf der Liste der verbotenen Rassen sind etwa Pitbulls und Bullterrier. Verboten sind auch Mischlinge, die mindestens 10 Prozent Blutanteil solcher Rassen in sich tragen.

Auslöser für diese Verbotsliste und schliesslich auch für die obligatorischen Kurse war ein Todesfall in Oberglatt im Jahr 2005. Damals hatten drei Pitbulls einen sechsjährigen Knaben tot gebissen.

SDA

2 Kommentare
    B. Dällenbach

    Was sich die 70 % gedacht haben, die FÜR die Kurse gestimmt haben? Ich denke nicht, dass ihnen wirklich klar war, dass auch erfahrene HundehalterInnen, die ohne Hilfe ihre Hunde in den Griff bekommen (im Griff haben), die praktischen Kurslektionen besuchen müssen. Und selbst wenn der Kursleiter bemerkt, dass einer der Teilnehmer den Kurs gar nicht nötig hat, darf er nicht vorzeitig eine Bescheinigung ausstellen.

    Ich weiss von was ich rede, ich musste den Kurs besuchen, obwohl ich wusste, dass ich ohne klar käme und der Kursleiter hat mir dies bei der letzten Lektion sogar bestätigt.

    Und ganz "schwierige Fälle" von Hundehaltern, die eigentlich mehr Lektionen nötig hätten brauchen auch nur die vorgeschriebene Anzahl Lektionen zu absolvieren.

    Viel sinnvoller – wenn überhaupt – wäre eine Prüfung, in der der Hundehalter beweisen kann wie gut er sein Tier in alltäglichen Situationenim Griff hat, und wie er ein positives Ergebnis erreicht, müsste in der Verantwortung des Hundehalters sein.

    Wie ich schon mal in einem Leserbrief geschrieben habe, das aktuelle System ist ein Giesskannensystem; wo viel hin sollte kommt zu wenig hin un dort wo es wenig oder gar nichts braucht (viel) zu viel...

    Wie würden wohl die 70% abstimmen, wenn man das Strassenverkehrsgesetz ändern wollte und Neulenker keine Prüfung mehr absolvieren müssten, sondern lediglich eine fest vorgegebene Anzahl Lektionen beim Fahrlehrer? Eigentlich wäre es fast dasselbe und vollkommen absurd!