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Knatsch um ZKB-SeilbahnZürcher Stadtrat gegen Besonnungs-Initiative

Der Zürcher Stadtrat lehnt die kommunale Besonnungs-Initiative ab, welche sich primär gegen die geplante ZKB-Seilbahn richtet.

Die Besonnungs-Initiative will den Bau der temporären ZKB-Seilbahn über das Zürcher Seebecken verhindern.
Die Besonnungs-Initiative will den Bau der temporären ZKB-Seilbahn über das Zürcher Seebecken verhindern.
Visualisierung : Keystone

Die «Volksinitiative zum Schutz der Besonnung des öffentlichen Grünraums am Seeufer» verlangt, dass Bauten, die einen grossen Schattenwurf haben, künftig am See verboten werden.

Die Vorlage richtet sich direkt gegen die ZKB-Seilbahn, die mit ihren Pfeilern Schatten werfen wird. Die Initianten wollen den Bau der temporären Seilbahn quer über das Seebecken verhindern.

Bereits mit der geltenden Bau- und Zonenordnung seien die baulichen Möglichkeiten im Bereich der Kernzonen sowie des rechten Seeufers beschränkt, teilte der Stadtrat am Mittwoch mit. Dadurch werde eine deutlich stärkere Beschattung von öffentlichem Grünraum verhindert, ohne dass die Gemeindeordnung geändert werden müsse.

Eine Annahme der Initiative würde es zudem laut der Stadtregierung nicht mehr zulassen, nach optimalen Lösungen zu suchen. Das aber sei im Leitbild «Seebecken» vorgesehen. Und schliesslich fehle für die von der Initiative geforderte generelle Höhenbeschränkung eine gesetzlichen Grundlage.

Jubiläumsbahn für 50 bis 80 Millionen Franken

Die Kantonalbank will anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens eine temporäre Seilbahn quer über das Seebecken bauen. Sie soll zwischen Landiwiese und Blatterwiese verkehren. Mit 18 Gondeln für je 24 Personen soll sie 2000 Fahrgäste pro Stunde und Weg transportieren. 50 bis 80 Millionen Franken will sich die ZKB das Jubiläumsgeschenk kosten lassen.

Die Volksinitiative zum Schutz der Besonnung des öffentlichen Grünraums am Seeufer wurde im Oktober 2019 mit 3080 gültigen Unterschriften eingereicht. Für das Zustandekommen wären 3000 Stimmen nötig gewesen.

Hinter der Initiative steht unter anderem Peter-Wolfgang von Matt, ein Einwohner aus Wollishofen. Er ist nicht alleine mit seinen Einwänden gegenüber dem ZKB-Geschenk. Auch im Stadtparlament wurde die Seilbahn schon kritisiert, vor allem von linker und grüner Seite. Die Seilbahn sei «nicht innovativ, nicht nachhaltig, nicht quartierverträglich und nicht landschaftsfreundlich».

Gericht hat Gestaltungsplan aufgehoben

Ob die Bahn bei einer Ablehnung der Besonnungs-Initiative gebaut werden kann, ist unklar. Das Zürcher Baurekursgericht hat letzten Dezember einem Rekursverfahren gegen die Seilbahn der ZKB stattgegeben und den kantonalen Gestaltungsplan der ZKB-Seilbahn über den Zürichsee aufgehoben.

Das Gericht hiess die Rekurse vor allem deswegen gut, weil im kantonalen Richtplan ein Eintrag für die Seilbahn fehlte. Der besondere Schutz des Seegebiets wird als zweiter Grund genannt. Eine Ausnahme wollte das Gericht nicht machen, da «die ZKB nicht vordringlich den Betrieb von Seilbahnen zum Zweck hat.»

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) will sich ihre Jubiläums-Seilbahn aber nicht nehmen lassen. Sie fechtet das Urteil vor dem Verwaltungsgericht an.

SDA

1 Kommentar
    Andreas Diethelm

    Die Ablehnung der Initiative durch den Stadtrat kommt nicht überraschend.seine Argumente sind allerdings etwas wirr. Ob es zur Suche von „optimalen Lösungen“ ein Leitbild «Seebecken» braucht, sei dahingestellt, und für wen denn was optimal wäre, ebenfalls. Was den Schattenwurf betrifft, so geht es nicht um die 88 m hohen Seilbahnmasten. Der Stadtrat weist auf die bereits bestehenden Beschränkungen der baulichen Möglichkeiten am rechten Seeufer hin, „vergisst“ aber dass die Sonne auf der linken Seeseite Schatten am Ufer wirft, etwa durch einen auf dem Areal der Franz-Garage in Wollishofen geplanten – und nicht temporären – siebenstöckigen Betonkoloss, auf die Badewiese, am Abend. Wenn der Stadtrat bemängelt, für die von der Initiative geforderte generelle Höhenbeschränkung fehle eine gesetzliche Grundlage, muss man schmunzeln, ist es doch gerade Zweck einer Initiative, die Gemeindeordnung zu ergänzen, als Grundlage für die Schliessung der bemängelten Gesetzeslücke. Was das ZKB-„Geschenk“ angeht, welches die Bank der Bevölkerung auf dem Rechtsweg aufzwingen will, dürfte das Verwaltungsgericht zum selben Schluss kommen, wie das BRG. „Die nahe Bank“ und der Stadtrat haben sich zusammen verrannt und finden den Rückweg nicht.