Anti-WEF-Demo in Zürich: Polizist am Auge verletzt

1000 WEF-Gegner zogen am Mittwoch durch die Innenstadt. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Drei Verhaftete sind mittlerweile wieder auf freiem Fuss.

Einzelne Demonstranten zündeten Petarden, die Polizei setzte einen Wasserwerfer ein. (Video: Tamedia)

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Der Zürcher Stadtpolizist, der bei der Anti-WEF-Demonstration am Mittwochabend von einem Feuerwerks-Teil getroffen wurde, ist am Auge verletzt. Die Verletzung sei «nicht unerheblich». Er konnte das Spital zwar wieder verlassen, muss sich am Donnerstag aber weiteren Untersuchungen unterziehen. Der Polizeibeamtenverband fordert härtere Strafen für die Angreifer.

Wie es bei der Stadtpolizei auf Anfrage heisst, ist noch unklar, ob der Polizist bleibende Schäden davontragen wird. Für eine Prognose sei es zu früh.

Zwei weitere Polizisten, die ebenfalls von Feuerwerk getroffen wurden, hatten mehr Glück: Die Petarden trafen sie an Helm und Brustpanzer, sie blieben unverletzt. «Dass aus einer Menge heraus geschossen wird, und man in Kauf nimmt, einzelne Personen schwer zu verletzen, verurteilen wir sehr», sagt Stapo-Sprecher Marco Cortesi.

An der Anti-WEF-Demo wurde ein Polizist von einem Feuerwerkskörper getroffen. Video: BRK News

Eine Verletzung erlitt auch eine Passantin. Demonstranten zündeten in ihrer Nähe eine Knallpetarde, so dass sie am Ohr verletzt wurde, auch sie konnte das Spital wieder verlassen, ihr Heilungsverlauf ist hingegen noch unklar.

Die drei Demonstranten, die vorübergehend festgenommen wurden, sind mittlerweile wieder auf freiem Fuss. Angaben zu Alter oder Herkunft macht die Polizei nicht. Ob Anzeige erstattet wird, kann die Stadtpolizei auf Anfrage nicht abschliessend sagen. Abklärungen seien am Laufen.

«Täter hart bestrafen»

Nach Ansicht des Verbandes Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) gefährdet die Trägheit der Politik die Sicherheit der Polizei. Seit zehn Jahren kämpfe der VSPB unermüdlich für mehr Rechte und Sicherheit für die Polizisten. «Es ist Zeit, Worte in Taten umzusetzen, bevor ein Polizist stirbt», teilte der Verband am Donnerstag mit. Die Täter müssten hart bestraft und in die Pflicht genommen werden.

Kundgebungen und Demonstrationen seien dazu da, um Meinungen zu äussern und nicht um andere Menschen anzugreifen. Die Polizistinnen und Polizisten dienten der Sicherheit der Mitmenschen während solchen Veranstaltungen, heisst es weiter. Chaotische Demonstranten nutzten die Umzüge, um ihre persönlichen Aggressionen auszuleben. Das sei «im Grundsatz falsch». Meinungen zu äussern sei in Ordnung, Polizisten zu Opfern zu machen «gehört in höchstem Mass bestraft».

An der Anti-WEF-Demo in Zürich nahmen mehrere hundert Personen teil. Schon kurz nach dem Start war es am Mittwochabend zu Ausschreitungen gekommen.

Feuer auf Tramgleisen entfacht

Nachdem einzelne Teilnehmer ein Feuer auf Tramgeleisen entfacht und pyrotechnisches Material gezündet hatten, setzte die Stadtpolizei Zürich einen Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein, wie sie auf Twitter mitteilte. Die Polizei hatte Teilnehmer mit Feuerwerk über Twitter dazu aufgefordert, auf Unbeteiligte Rücksicht zu nehmen.

Der weitaus grösste Teil der Kundgebung bestand aus friedlichen Demonstranten und Familien.

Polizei setzte Wasserwerfer ein

Der schwarze Block wollte von der geplanten Demonstrations-Route abweichen und warf Pyros, Feuerwerk und Glasflaschen auf Polizisten. Diese antworteten mit Tränengas. Laut Augenzeugen setzte die Polizei auch Gummischrot ein.

Einzelne Demonstranten entfachten auf der Strasse unweit des Stauffachers ein Feuer. An der Kasernenstrasse versuchten laut Augenzeugen einzelne Vermummte, auf das Gelände des Hauptsitzes der Kantonspolizei zu gelangen. Daraufhin setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein.

Laut den VBZ waren mehrere Tramlinien beeinträchtigt. Es kam zu Unregelmässigkeiten und Umleitungen auf den Linien 2, 3, 8, 9 und 14. Auch die Buslinie 32 war betroffen.

Auf den Gleisen wurde ein Feuer entfacht. Bild: Daniel Pfeifer

Grosser Sachschaden, drei Verhaftete

Der Umzug führte vom Helvetiaplatz durch den Kreis 4 und wieder zurück. Die Zürcher Stadtpolizei hatte den Anlass zuvor bewilligt. Entlang der Route sei es zu mehreren Sachbeschädigungen gekommen, teilte die Polizei am späten Abend mit. Die Höhe des verursachten Sachschadens beträgt demnach mehrere zehntausend Franken.

Auch nach dem Schluss der offiziellen Veranstaltung gegen 20.30 Uhr hätten Gruppierungen von gewaltbereiten Personen die Polizei wieterhin auf Trab gehalten, heisst es in der Mitteilung weiter. Drei Personen wurden vorübergehend festgenommen.

Organisiert wurde die Demonstration von den Juso und den jungen Grünen. Es gesellten sich aber noch andere linke Gruppierungen dazu, darunter auch ein gutes Dutzend Vermummte des Schwarzen Blocks sowie ihre Anführerin Andrea Stauffacher.

Vom Helvetiaplatz zur Sihl und zurück: Demonstranten passieren die Polizeiwache Aussersihl. Bild: Daniel Pfeifer

Auch kam es zu Sachbeschädigungen. Verspraytes Schaufenster. Bild: Daniel Pfeifer

Der Protest richtete sich laut den Veranstaltern gegen «Scheinheiligkeit», «Klima-Ignoranz» und «die Ausbeutung des globalen Südens». Vom Helvetiaplatz aus zogen sie, begleitet von einem grossen Polizeiaufgebot, weiter in Richtung Sihl. Unter ihnen waren Familien, Klimaaktivisten, Frauenrechtler und Vermummte.

Protest gegen Industriegiganten und Trump

Die generelle Idee der Demo: «Gemeinsam wollen wir unsere Kämpfe verbinden und gemeinsam gegen das WEF protestieren.» Es geht ihnen nicht nur um die Veranstaltung selbst mit den immensen Kosten, mageren Ergebnissen und der schlechten CO2-Bilanz. Es geht dem Aktionsbündnis zum 50. Jubiläum des WEF auch um die Ausbeutung armer Staaten durch den «globalen Norden» und Firmen wie Nestlé, Glencore oder UBS, um die Vorherrschaft alter Männer unter den WEF-Teilnehmern internationaler Unternehmen.

Demonstranten zündeten Petarden, die Polizei steht im Einsatz. Bild: Daniel Pfeifer

Zwar übernehmen die Leitung dieses Jahr die Zürcher Juso und die Jungen Grünen, jedoch sollen Parteigrenzen keine Rolle spielen. Auch Organisationen wie Greenpeace und das Bündnis für Sozialismus war vor Ort.

Das Thema Umweltschutz bestimmte schon das WEF selbst. Solidarisierend mit der Klimajugend rund um Greta Thunberg in Davos nahm auch «Climate Strike» teil. «Züri gäge WEF» sollte jedoch keine Gegenveranstaltung zu den Demos vor Ort sein, wie die Organisatoren betonten.

Die Polizei stellt sicher, dass die Route eingehalten wird. Bild: Daniel Pfeifer

Den Protestzug gegen das WEF gibt es bereits seit vielen Jahren. Auch 2018 gingen die Demonstranten mit ihren kreativen und oft ziemlich derben Protestschildern US-Präsident Trump persönlich an. Und im vergangenen Jahr war eine Demo unter demselben Namen zur gleichen Uhrzeit am Helvetiaplatz gestartet. Damals aber noch nicht unter der Leitung von Juso und Jungen Grünen.

2019 war ein riesiges Polizeiaufgebot vor Ort. Auch damals waren einzelne Vermummte mit Pyrotechnik unterwegs. Dieses Jahr hätte es «familienfreundlich» ablaufen sollen, wie Juso-Sprecher Nathan Donno im Vorfeld der Demo sagte.

Am Marsch beteiligen sich zahlreiche Familien, aber auch Vermummte. Bild: Daniel Pfeifer

Die diesjährige bewilligte Kundgebung hielt sich an eine festgelegte Route. Das Polizeikontingent der Stadtpolizei Zürich wurde um rund 100 Polizisten erhöht, um die Demo zu begleiten.

Auch in Lausanne fand am Mittwochabend eine Anti-WEF-Demonstration statt. Dort nahmen allerdings nur 40 Personen teil.

Erstellt: 23.01.2020, 12:31 Uhr

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