Zürcher wollen Hundekurse – Pflicht soll auch für Kleine gelten

Nach dem deutlichen Nein zum Hundegesetz will der Regierungsrat rasch eine Kurspflicht für alle Hundehalter einführen.

Schärfste Hundegesetz der Schweiz: Im Kanton Zürich müssen Hundehalter von  massigen Hunderassen einen Kurs absolvieren.

Schärfste Hundegesetz der Schweiz: Im Kanton Zürich müssen Hundehalter von massigen Hunderassen einen Kurs absolvieren. Bild: Keystone

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Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger des Kantons Zürich wollen weiterhin eine Kurspflicht für Halter von grossen Hunden. Nur 30,4 Prozent der Stimmberechtigten haben sich für die Änderung des Hundegesetzes und damit für eine Abschaffung der Kurspflicht ausgesprochen.

Nun will der Regierungsrat die Kurspflicht auf alle Hundehalter ausdehnen. Das sagte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) vor den Medien. Dafür soll die neue Regelung weniger kompliziert und aufwendig sein als die bisherige: Künftig sollen alle Halterinnen und Halter sechs praktischen Lektionen mit ihren Hunden absolvieren; für Erst-Halter sollen zusätzlich zwei Lektionen Theorie vorgeschrieben sein. Das ist deutlich weniger als bisher; im Moment sind bis zu 20 Lektionen Pflicht. Heiniger sagte, er nehme das Abstimmungsergebnis mit grosser Freude zur Kenntnis, die Kurse seien nützlich, die Rückmeldungen positiv: «Auch die Hunde hätten Nein gestimmt.»

Bürgerliche haben keine Freude

Heinigers Partei, die FDP, zeigte hingegen sich enttäuscht: Als liberale Partei setze sie sich gegen «nutzlose Vorschriften» ein. Unzufrieden ist auch die CVP. Eine Abschaffung der Kurse hätte die Gemeinden entlastet, schreibt sie, nun müssten sie weiter dafür sorgen, das Hundehalterinnen und Halter die vorgeschriebenen Kurse besuchten. Die SVP schreibt, das Nein öffne das Nein die Tür zu einer weiteren Überregulierung: Nun werde die Kurspflicht für Hundehalter ausgedehnt.

Die EVP sieht sich bestätigt. Die bürgerlichen Parteien seien «weit übers Ziel hinausgeschossen» und hätten dafür eine sehr deutliche Quittung erhalten. Die Bevölkerung habe sich für die Beibehaltung der Sicherheit ausgesprochen. Auch eine mögliche erweiterte Kurspflicht werde die Partei wohlwollend prüfen. Ähnlich sieht es die SP: Nun müsse über eine Vereinfachung der Kurspflicht und über eine Qualitätskontrolle für die Anbieter nachgedacht werden.

Nur Regensberg sagt Ja

Das Verdikt der Stimmbürger ist sehr deutlich: In vielen Gemeinden kamen nicht einmal 30 Prozent Ja-Stimmen zusammen. Für das neue Gesetz hat sich mit Regensberg nur eine einzige Gemeinde ausgesprochen, das dafür aber mit deutlichen 71 Prozent Ja. In den sozialen Medien wurde dieses einzelne Ja bereits für einen vermeintlichen Fehler gehalten. Die Gemeinde hat das Resultat aber gegenüber dem statistischen Amt bestätigt. Die Ja- und Nein-Stimmen seien nicht vertauscht worden, in Regensberg gebe es einfach besonders viele Hundehalter.

Und so sehen die bisherigen Schlussresultate aus den Bezirken aus:

  • Affoltern: 70,2 Prozent Nein
  • Andelfingen: 67,4 Prozent Nein
  • Bülach: 69,5 Prozent Nein
  • Dielsdorf: 68,9 Prozent Nein
  • Dietikon: 66,7 Prozent Nein
  • Hinwil: 69,5 Prozent Nein
  • Horgen: 69 Prozent Nein
  • Meilen: 66,7 Prozent Nein
  • Pfäffikon: 70,5 Prozent Nein
  • Uster: 69,8 Prozent Nein
  • Winterthur: 70,1 Prozent Nein

Die Vorgeschichte

Vor gut zehn Jahren schreckte ein tragisches Ereignis die Politik auf. Nachdem 2005 ein Kindergärtler in Oberglatt von drei Pitbulls totgebissen wurde, reagierten Bund und Kanton. Im Kanton Zürich führte die Politik unter anderem die Kurspflicht für Halter von grossen und massigen Hunderassen ein. Auf Bundesebene wurde ein obligatorischer Theoriekurs verordnet, der per 2017 allerdings wieder abgeschafft wurde. Auch die Zürcher Kantonspolitiker waren der Meinung, das Hundegesetz müsse revidiert werden. Während der Regierungsrat die Erziehungskurse verkürzen wollte, ging im Kantonsrat die bürgerliche Mehrheit noch weiter und strich die Kurspflicht gleich ganz aus dem Gesetz.

Dagegen haben Parlamentarier der unterlegenen Fraktionen das Kantonsratsreferendum eingereicht. SP, Grüne, AL, GLP, EVP, BDP und EDU wollten die Hundekurse nicht nur beibehalten, sie wollten sie auf alle Hundehalter ausdehnen. Die Parteien stellten sich auf den Standpunkt, man könne nicht davon ausgehen, dass alle Halter genügend Eigenverantwortung besässen. Anders als die Kursgegner behaupteten, sei die Zahl der Beissvorfälle zurückgegangen.

Die Krux mit der Statistik

Die Kursgegner sind die bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP. Sie zweifeln am Nutzen der Kurse. Die Zahl der Beissvorfälle sei nicht gesunken, argumentierten sie. Verantwortungsvolle Halter besuchten die Kurse auch freiwillig, die übrigen seien selbst mit einer Ausbildungspflicht nicht zur Vernunft zu bringen. Die Argumente der Bürgerlichen scheinen bei der Stimmbevölkerung aber nicht verfangen zu haben.

Bei der Interpretation der Beissstatistik waren sich Befürworter und Gegner nicht einig. Das Problem: Die Zahlen schwanken stark, eindeutige Aussagen sind kaum möglich. Die Zahl der schweren Beissvorfälle mit Verletzungsfolge ist mit 60 bis 80 pro Jahr laut Veterinäramt zu gering. Dennoch zeigte eine Befragung, dass sich die Bevölkerung aufgrund der Kurspflicht sicherer fühle.

Strengstes Hundegesetz der Schweiz

Da die Stimmbevölkerung voraussichtlich das neue Hundegesetz verwirft, bleibt Zürich der Kanton, der das strengste Hundegesetz im ganzen Land hat. In keinem anderen Kanton gibt es eine Ausbildungspflicht für grosse und massige Hunde. In zehn Kantonen sind gewisse Rassen bewilligungspflichtig. Rasseverbote kennen neben Zürich auch Genf, Freiburg und das Wallis, wobei aber nicht in allen Kantonen dieselben Hunderassen betroffen sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2019, 10:39 Uhr

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