Rapperswil-Jona

Parteilose erzwingen zweiten Wahlgang

Weder der amtierende Stadtpräsident Erich Zoller (CVP) noch einer seiner drei parteilosen Herausforderer erreichten im ersten Wahlgang das absolute Mehr. Die Überraschung: Verleger Bruno Hug machte 1500 Stimmen mehr als Erich Zoller.

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Es ist eine Klatsche für den ­amtierenden Stadtpräsidenten Erich Zoller. Seit 2011 im Amt, verpasste der CVP-Politiker gestern die Wiederwahl deutlich und wurde auch noch von seinem schärfsten Konkurrenten überflügelt. Zoller holte 2431 Stimmen. Damit liegt er deutlich hinter seinem parteilosen Herausforderer Bruno Hug: Der Verleger der «Obersee-Nachrichten» erhielt 3929 Stimmen bei einem abso­luten Mehr von 4487 Stimmen. Felix Hof (parteilos) machte 1819 Stimmen, Stefan Ritz (parteilos) 557 Stimmen. Die Stimmbeteiligung lag bei 51,6 Prozent. Damit kommt es am 6. November zu einem zweiten Wahlgang.

Erich Zoller zeigte sich kurz nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse überrascht und enttäuscht: «Dieses schlechte Resultat habe ich nicht erwartet.» Offen­bar habe die gegen ihn ­geführte Medienkampagne der «Obersee-Nachrichten» Wirkung gezeigt, sagte Zoller. «Anders kann ich mir dieses Resultat nicht erklären». In der Gratis­zeitung waren in den vergangenen Monaten zahlreiche Artikel erschienen, welche die Arbeit des Stadtpräsidenten heftigst infrage stellten und sogenannte Fehlentwicklungen aufzeigten.

CVP will sich beraten

Auf die Frage, ob er bei einem zweiten Wahlgang antrete, sagte Zoller, die Karten würden nun neu gemischt. Er sei dafür, dass man «bis zum Schluss hinsteht». Die CVP Rapperswil-Jona liess am Sonntagabend in einem Communiqué verlauten, sie sei enttäuscht über die Nichtwahl Zol­lers. Die Partei ortet die Gründe dafür in der «monatelangen Schlammschlacht» gegen den Stadt­präsidenten. Es gelte nun, eine Auslegeordnung zu machen und über die weiteren Schritte zu beraten. Diese will die Partei offenbar auch von Bruno Hug abhän­gig machen, wie es in der Mitteilung heisst.

Der Überflieger des ersten Wahlgangs sagte, er sei selbst überrascht und erstaunt über das Ergebnis: «Ich bin direkt, gerad­linig und transparent. Das überzeugt die Menschen.» So jedenfalls erklärt sich Bruno Hug sein gutes Abschneiden. Er habe mit seiner Berichterstattung – dazu gehört eine ganze Reihe von Artikeln, die angebliche Missstände und Fehlentscheide der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth thematisieren – viel Transparenz geschaffen, das ­werde von den Bürgern geschätzt, glaubt Hug. Er werde zum zweiten Wahlgang wohl antre­ten, sagte er gestern. Wobei nun auch noch entscheidend sei, wie die grossen Parteien auf das Wahlergebnis reagieren würden.

Weniger erfreut über Trans­parenz scheint Hug allerdings zu sein, wenn andere sie reklamieren. Wie er gestern nach Verkündung der Wahlergebnisse sagte, sehe er sich insbesondere von der «Zürichsee-Zeitung» unfair behandelt. Die ZSZ hatte am Donnerstag berichtet, dass Hug im Okto­ber im Zusammenhang mit einer Klage wegen übler Nach­rede vor Gericht erscheinen muss.

Ein klares Zeichen

Noch offen lässt Felix Hof, ob er am 6. November nochmals antreten wird. Er habe persönlich mehr erwartet, wertet das Ergebnis aber dennoch als Achtungserfolg. Er wolle sich nun zunächst mit seinen Mitkonkurrenten ­beraten und erst dann über das weitere Vorgehen entscheiden. Hof zieht trotzdem ein positives Fazit. «Wir sind auf gutem Weg dahin, unser Ziel – die Abwahl von Erich Zol­ler – zu erreichen.» Sowohl Hug wie Hof sagten gestern, wenn der amtie­rende Stadtpräsident lediglich 2400 Stimmen erhalte, sei dies ein klares Zeichen dafür, dass die Stimmbürger ihm das Ver­trauen entzogen hätten.

Diese Haltung teilt der viertplatzierte Stefan Ritz: «Es ist super, dass die Mehrheit der Bevölke­rung einen zweiten Wahlgang will.» Er selber sei natürlich schon «ein bisschen enttäuscht», entscheide aber pragmatisch und werde für den zweiten Wahlgang nicht mehr antreten.

Erstellt: 26.09.2016, 08:27 Uhr

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